Freitag, 26. Mai 2017

#27 – Digital Nomad – Work-Life-(Beach-)Balance

Halbzeit. Kilometer 3562,8. Frankreich (noch immer). Und ich mag es – aber warum sprechen die Franzosen eigentlich so ungern bis überhaupt nicht Englisch? Lernen sie es nicht oder wollen sie einfach nicht? Immer wenn ich mich als nicht-französischspechend oute, labern diese partout auf Französisch weiter. Auch das von mir in gleichen Teilen schüchtern wie zärtlich nachgehauchte „No francais“ hilft nicht. Ich hatte mir schon überlegt dann einfach auf Deutsch zu schwätzen und ihre Reaktion abzuwarten. Bei nächster Gelegenheit probiere ich das aus.

Nach einigen Tagen in der Normandie bin ich – in der Hoffnung auf besseres Wetter, in der Bretagne gelandet – in dem kleinem Ort Saint-Coulomb nähe Saint-Malo (Prädikat sehenswert!). Wetter bei Ankunft: 28 Plusgrade, Wetter ab dem ersten Tag vor Ort: Regen, Wind und 13 Grad. Nicht mit mir!

Castel Meur: La petite Maison entre les Rochers, Gouffre, Bretagne | Côtes-d’Armor
Sonnenuntergang Côtes-d’Armor, Bretagne

Auf meiner Weiterfahrt bin ich an der Landspitze Le Gouffre (Plougrescant) und damit verbunden beim Haus zwischen den Felsen gelandet. Ich habe das Ambiente sehr gemocht – eine schroffe Küste, ein leerer Strand und wenig Regen. Hier blieb ich nur eine Nacht und fuhr anschließend auf die vis-á-vis gelegene Seite der Bretagne, auf die Halbinsel Quiberon. Der Wettergott war mit mir, aber der Campinggott hat mich im Stich gelassen. Es hat nicht geklappt und auch der Wind war recht grausam. Für die unzähligen Kite-Surfer am Strand allerdings ein Segen.

Kite-Surfer am Strand von Plouharnel

Zu diesem Zeitpunkt war ich genau zwei Wochen alleine unterwegs. Zeit für einen kleinen emotionalen Durchhänger, etwas Frust und aufkeimender Demotivation. Auf die Schnelle musste eine Lösung her und ich habe mich an Batz-sur-Mer erinnert, dass ich einige Tage zuvor auf einer Webseite entdeckt hatte. Und mich nach einer Nacht in der Nähe von Quiberon nach eben dorthin auf den Weg gemacht. Und in Batz-sur-Mer wurde ich belohnt: Mit Plusgraden, dem Ozean vor der Camping-Haustür und einem heimeligen Ambiente. Der Campingplatz La Govelle ist mini, aber ausreichend. Mit meinem waren gesamt sieben Stellplätze besetzt gewesen. Dementsprechend ruhig und erholsam war es. Und nachdem noch Nebensaison ist, blieb es die restliche Zeit meines Verbleibes dabei – den Rentnern und mir. Den Altersschnitt vermochte ich alleine nicht anzuheben.
Nachdem ich die letzten beiden Wochen immer nur ein, maximal zwei Nächte an den besuchten Orten geblieben war, hatte ich Sehnsucht nach etwas Stabilität, Beständigkeit. Batz-sur-Mer war dafür der richtige Fleck – ich konnte mich entspannen, ich konnte entdecken, ich konnte surfen und gut arbeiten. Also blieb ich hier vier Nächte ehe ich weiterzog.

Sitting, waiting, watching: Surfer in Batz-sur-Mer

Dank der sommerlichen Temperaturen gibt es in meinem Freiluftbüro nur einen Dresscode: Bikini, Hut und Sonnencreme. Die Mittagspause verbringe ich am Strand – beobachte, lese und träume. Mein vorsommerlicher Teint nähert sich dem Pantone-Farbton 4645C. Diese aktuelle Work-Life-(Beach-)Balance funktioniert recht gut für mich, obwohl sich mein Tagesablauf nicht großartig von jenem in meiner Komfortzone unterscheidet: Aufstehen, Yoga praktizieren, duschen, frühstücken, arbeiten, Mittagspause, arbeiten, abschalten, Abendessen. Abgesehen vom Element Strand, welches die letzten Tage hinzugekommen ist. Außerhalb der Arbeit versuche ich wenig online zu sein, denn WiFi ist Luxus und die mobilen Daten seit dem 26. April deaktiviert.

Nach einem nachmittäglichen Spaziergang und Zwischenstopp im Tourismusbüro von Rochefort – schöne Gebäude! – war ich die letzte zwei Tage nun in Saint-Palais-sur-Mer. Aufgrund des gestrigen Feiertages habe auch ich blau gemacht und bin nachmittags an die Côte Sauvage. Die Surf-App MSW – Magicseaweed hat für nachmittags Wellen vorhergesagt, die dann zwar zum Teil klein ausfielen, aber ich war trotzdem zwei Stunden am/im Wasser – und am Brett. Die (Kalk-)Schulter ist zwar dank Cortisoninjektion schmerzfrei, aber sie ist trotzdem in meinem Kopf, somit bin ich noch vorsichtig und taste mich langsam ans Surfen heran, denn ich habe ja noch knapp fünf Wochen vor mir.

Kind of a selfie

Die kommenden Tage geht die Reise in den Süden weiter: nach Bordeaux, wo ich Montag abends am Flughafen gestellt sein muss. Denn: Es kommt Gesellschaft. Und ich freue mich darauf. Auch wenn ich gern und gut alleine bin. Aber nach drei Wochen ist es auch mal schön, wieder Momente und Ereignisse teilen zu können, sich zu unterhalten, Eindrücke und Geschichten auszutauschen. Denn manchmal komme ich – aufgrund meines nicht vorhandenen Französischs und der Verweigerung der englischen Sprache auf Seiten der Franzosen – auf maximal elf, zwölf gesprochene Wörter am Tag. Phasenweise kommt mein Digitalnomadentum einem Aufenthalt im Schweigekloster gleich. Aber auch das hat seine Vorteile und genieße ich.

Auch auf Instagram kann man meine Reise visuell begleiten und mir folgen. Du hast Reise- oder Geheimtipps wie z.B. veganes Essen, ein Co-Working-Space, gute Wellen zum Surfen oder schöne Longboard-Strecken? Ich freue mich über Tipps und Empfehlungen! Einfach per Email an mich.

Campingplätze in Frankreich

Camping des Dunes – Camiers
An und für sich ein echt feines Plätzchen, aber die Infrastruktur bzw. die Einrichtung ist schon recht in die Jahre gekommen. Und in der Nebensaison wahnsinnig überteuert. WiFi gab es während meines Aufenthalts nicht, befand sich aber im Werden. Ich wollte eigentlich zwei Nächte bleiben, aber habe mich dann schon einen Tag eher aus den Staub gemacht. Der Nachbarort Sainte-Cecile ist über den Strand erreichbar (ca. eineinhalb Kilometer), aber während meiner Anwesenheit glich er einem Geisterdorf. Und der Campingplatzbetreiber hatte rund um die Uhr einen im Tee.

+ Stellplatz in der ersten Reihe der Dünen mit freier Sicht aufs Meer
Sanitäranlagen (pfui!)
Preis-/Leistung eigentlich eine Frechheit (zumindest in der Nebensaison)
Infrastruktur
Der Strand war leider voll mit Plastikmüll, was dem Ambiente geschadet hat. Dafür kann aber der Campingplatz nichts.

Camping de la Plage – Quiberville-sur-Mer
Campingplatz direkt im Ort und in Nähe des Meeres. Leider gibt es im Ort kaum bis wenig Infrastruktur, um Einkäufe zu tätigen. Der nächstgrößere Supermarkt ist rund acht Kilometer entfernt.

+ großzügige Stellplätze
+ Sanitäranlagen
+ Lage in direkter Nähe zur Strandpromenade, Ausgangspunkt von Wanderungen
WiFi nur im Aufenthaltsraum der zumeist die Temperatur einer Kühlkammer hat

Les Chevrets – Saint-Coulomb nahe Saint-Malo
Ein größerer Campingplatz mit vielen Mobilheimen. Aber dennoch sehr angenehmen, wobei ich ja nur die Nebensaison erlebt habe. Preis-/Leistungsverhältnis sehr gut. In den Sommermonaten gibt es auch eine Busverbindung nach Saint-Malo und man muss nicht so wie ich die Bundesstraße entlang vier Kilometer im Regen laufen um zur ersten Busstation zu gelangen.

+ großzügige Stellplätze
+ Lage direkt am Wasser (türkisfarbenes Wasser!)
+ Ausgangspunkt für Wanderungen in den Dünen bzw. auf die Ile Besnards
+ Sanitäranlagen
+ Rezeptionistinnen sprechen teilweise Deutsch
musste kalt duschen
– keine öffentliche Anbindung nach Saint-Malo in der Nebensaison
WiFi muss man kaufen (z.B. 1 Stunde 4 Euro, 1 Tag 6 Euro) und ist trotzdem recht langsam sowie nur auf einem Gerät anwendbar

Camping Le Gouffre – Landspitze Le Gouffre
Ich war ja bei der Betrachtung im Internet skeptisch, habe ihn aber dann doch ausgewählt. Und wurde eines Besseren belehrt. Camping Le Gouffre war eine anenehme positive Überraschung mit dem bisher besten Preis-/Leistungs- verhältnis.

+ Sehr klein & überschaubar
+ Sanitäranlagen
+ Preis in der Nebensaison all in 8,80 Euro (Stellplatz, Strom, Wasser, WiFi – ein Schnäppchen!)
+ Kostenloses WiFi am gesamten Campingplatz
+ Lage (u.a. Le petit maison de roches in Gehweite)

Kersily – Plouharnel
Nach einer langen Suche in Quiberon beim frustrierenden Herumfahren hier gelandet. Für eine Nacht war es OK. Der Gastgeber sehr nett und sprach recht gutes Englisch.

+ Flexibilität
+ Stellplätze gepflegt und teilweise mit eigenem Wasseranschluss
WiFi auf drei Stunden limiert (aber + weil man bei Bedarf, einfach Nachschub bekommt)
liegt in der Pampa – keine Infrastruktur, außer dem Ponyhof vis-á-vis
Strand eher für Kite- und Windsurfer als für Wellenreiter geeignet, aber schön für fast endlose Spaziergänge

Mini-Camping La Govelle – Batz-sur-Mer
Angenehme freundliche Atmosphäre. Die strandseitigen Stellplätze sorgen für Privatsphäre und bieten Sichtschutz.

+ Klein & überschaubar
+ Direkter Zugang zum Meer bzw. Dünenspazierweg, der entlang der Küste führt
+ Anordnung der Stellplätze und die damit verbundene Privatsphäre, Initimität
+ Sanitäranlagen
+ Preis-/Leistungsverhältnis
WiFi nur im Aufenthaltsraum bzw. wenige Meter davor, nicht am gesamten Platz
Infrastruktur erst im Ort selbst (ca. 2,4 Kilometer entfernt)
sprechen leider nur Französisch

Campingplatz Côtebeaute – Saint-Palais-sur-Mer
Ich bin zufällig hier gelandet und fühlte mich gut aufgehoben. Sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Schön angelegter nicht allzu großer Campingplatz.

+ Klein & überschaubar
+ Infrastruktur am Campingplatz (Sanitäranlagen, Aufenthaltsräume, etc.)
+ Duschen – hurra, die Temperatur des Wasser ist selbst regulierbar; Duschräume wie in kleines Bad für eine Person (sehr angenehm)
+ WiFi flächendeckend am Campingplatz
+ Strom ist in der Stellplatzgebühr inkludiert
+ Promenade entlang des Atlantiks vor der Haustüre sowie großzügiger Sandstrand nur 200 Meter entfernt
+ Sprechen Englisch!
+ Barrierefreie Stellplätze für z.B. Rollstuhlfahrer
Ortskern mit entsprechender Infrastruktur (Supermarkt, Apotheke, etc.) ist gut drei Kilometer entfernt.