Sonntag, 8. Juli 2018

#40 – Digital Nomad 2 – Durch den Wind aber nun wieder zurück

Es Sonntagabend. Während Zuhause in Österreich in vielen Wohnzimmern Tatort läuft, läuft hier bei mir nur die Waschmaschine. Ich sitze im Waschsalon in Santa Cruz und mache Wäsche. In einer knappen halben Stunde wechselt meine Wäsche dann in den Trockner. Ausreichend Zeit also, endlich mal wieder einen digitalen Pieps von mir in die Welt zu schicken. Denn zu meiner Überraschung, liegt zwischen Blogbeitrag Nummer 39, in welchem ich über das Ankommen in diesem Abenteuer als Digitalnomadin schreibe und diesen heutigen Zeilen beinahe ein ganzer Monat.

Heute ist der erste Tag meiner zweiten Etappe als Digitalnomadin
Ich bin ja kürzlich für einige Tage nach Österreich gereist, um meinen Neffen zu taufen. Mein Herz war überraschend schwer und ich traurig, dass ich den Pause-Button auf meiner Reise drücken musste. Denn ich war gerade gut in Fahrt. Nach einigen Wochen an der Algarve war ich am 24. Juni 2018 in Cascais angekommen. Ich hatte kurzfristig um entschieden und bin dann gleich dahin, wo 2016 die Idee geboren wurde. Cascais ist ein Ort, den ich sehr schätzen gelernt habe. Der Campingplatz in Guincho, rund sechs Kilometer außerhalb der Stadt, ist trotz seiner Schlichtheit ein absoluter Favorit von mir. Vor allem wenn er wunderbare Stellplatznachbarn für einen bereithält. So wie zum Beispiel Alena aus Köln, mit der ich dann den Montagnachmittag verbrachte. Es war schön, Gesellschaft zu haben und sich austauschen zu können: Über Freistellplätze, Reiseerfahrungen und über das Zuhause auf vier Rädern. Denn ich habe das Gefühl, gerade nur einen intensiven Austausch mit Reisenden und ähnlich Gesinnten zustande zubringen. Und so manch enger Freundin, wie Finja, die mir ein Zuhause für 24 Stunden in Wien gab. Alle anderen Unterhaltungen schippern an der Oberfläche entlang, der Anker für die Tiefe wird aber nicht ausgefahren. Vielleicht bin auch einfach ich es, die grad so viele wunderbare Geschichten, Gedanken und Ideen im Kopf hat und die Sehnsucht nach tiefgründigen Gesprächen.
Nach Cascais und vielen Momenten in meiner Hängematte ging es nach Lissabon. Aber nach vielen Wochen in kleinen Städten und noch kleineren Ortschaften, war mir der Trubel zu viel. Mein Kopf pochte wie wild, als ich nach einem sechs-stündigen Ausflug in die portugiesische Hauptstadt zurück auf den Campingplatz kam. Und dann ging es schon auch nach Wien und drei Zugfahrten später spazierte ich durch einen vom Regen gekühlten Abend nach Hause, am Land.

Die Tage Zuhause konnte ich mich selbst nicht ausstehen: Ich war nicht Ich. Ich war genervt, frustriert. Ohne Atem, unruhig und sehnsüchtig.

Lissabon, meine Perle
Lissabon, meine Perle

Und nun, nach einigen Tagen in Sesimbra, bin ich wieder auf meinem Weg. Auf meiner Reise, in meinem Abenteuer. Im Draußen. Und, dieses Glückslava fließt und fließt durch meine Adern. Auch wenn heute Einiges schief gegangen ist, so bin ich hier nun in Santa Cruz an einem recht entspannten Ort angekommen. Morgen geht es weiter. Morgen ist mein 36. Geburtstag und ich werde mir diesen Tag gönnen. Für mich, neue Geschichten, Gedanken und Ideen. Und ein stückweit auch für einen Neubeginn.

Wunderbare Inspiration für den Reset-Button
Wunderbare Inspiration für den Reset-Button

Drei Wochen „Blogstille“
Die letzten drei Wochen fühlen sich wie drei Monate an. Ich kann ohne länger nachzudenken gar nicht sagen, was passiert ist. Während die Waschmaschine schleudert versinke ich in Gedanken und gehe zurück in der Zeit. Was ist passiert? Das Wetter hat dann also doch noch auf Sommer umgestellt, das ist passiert.
Ich verbrachte drei wunderbare Nächte am Strand von Bordeira/Carrapateira – freistehend. Auf das Notwendigste reduziert. Die Toilette? Ein Platz hinter dem höchsten Strauch! Die Dusche? Ein Bad in der Lagune! Strom? Wird überbewertet. Ich habe Stunden am Stück gelesen, bin gewandert und habe die Seele baumeln lassen. Dieser Fleck in der Natur rund um Carrapateira ist für mich der Sehnsuchtsort auf dieser Reise. Ich wollte nach einem wild-kampierten Wochenende nicht zurück in die Infrastruktur. Ich wollte in der Natur bleiben und das Draußen intensiver erspüren.
In Odeceixe habe ich mein Surfbrett ausgepackt und mich auf das Wasser begeben. Um zutiefst enttäuscht und frustriert nach einer Dreiviertelstunde wieder alles einzupacken. Denn alle Kraft in den Armen ist weg und ich war eher wie ein nasser Fetzen auf einem Bügelbrett unterwegs. Um dem Ganzen noch eines draufzusetzen hat die Autotür dann das Surfbrett gebissen und ein tiefes Cut geschlagen. Zum Glück standen tags darauf Bruno und die Crew von CC Boards in Vila Nova de Milfontes bereit und reparierten mein Brett innerhalb von 36 Stunden.
Als ich dann am 23. Juni surfen gehen wollte, machte mir eine Nebelwand, die sich vom Ozean bis rund einen halben Kilometer ins Landesinnere rein ausbreitete, einen Strich durch die Rechnung. Ich landete etwas unglücklich auf einem Campingplatz bei Galé-Beach, den ich lieber ausgelassen hätte. Daher ging es zeitig am nächsten Tag weiter und ich landete sanft in Cascais.
Und nun, nach zehn Tagen Digitalnomadenstillstand bin ich wieder drin. Mache Meter und plane die letzten Tage in Portugal. In Kürze geht es nach Spanien: Galizien, Asturien, Kantabrien & Co. Dann weiter über die französischen Pyrenäen und mein Nadelöhr Montpellier zurück ins Kontinentalinnere. Zurück nach Österreich. Dank des Entschlusses zu Verlängern hat sich der Stichtag nun auf 12. August 2018 verschoben.

34 Tage! Noch 34 Tage!!! Und dann, dann packe ich zwei Herzensprojekte an, über die ich demnächst mehr erzählen werde …

Happy by the Ocean: Praia de Foz (Sesimbra)
Happy by the Ocean: Praia de Foz (Sesimbra)

CAMPING – Mehr Tops als Flops

Freistehen in Carrapateira / Praia da Bordeira
Normalerweise vergebe ich für nicht-vorhandenes WiFi, schlechte Duschen & Co den Campingplätzen in meiner persönlichen Bewertung ein Minus. Obwohl dies alles in Bordeira fehlte, bekommt dieser Platz ein großes Plus und mein Herz.

Fotos zu diesem Erlebnis gibt es auf meinem Instagram-Kanal 😉

Camping São Miguel | nahe Odeceixe
+ Sensationelles WiFi
+ Hygieneräume sehr sauber und großzügig Platz
– Preis: eine Nacht mit Strom knapp 20 Euro
– wer den Swimmingpool benützen möchte, muss extra zahlen
– Lage: am Berg, rund vier Kilometer von Strand & Co

Camping Villa Park Zambujeira | Zambujeira do Mar
+ Sensationeller Preis, mit der Campingcard International gibt es Preisnachlass
+ Lage: nur ein kurzer Fußmarsch von Strand und Ortskern entfernt
+ Supermarkt am Platz ist sensationell und auch preislich top
+ Personal: engagiert und freundlich
+ Pool & Jacuzzi im Preis inbegriffen
+ Waschmaschinen und Trockner vom Feinsten
+ Hygieneräume sehr sauber und großzügig Platz
– Stellplätze teilweise etwas eng

Camping Milfontes | Vila Nova de Milfontes
+ Lage: rund sieben Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum (der Ort ist echt schön!)
+ mehrere Strände in Gehweite (unter anderem an der Flussmündung)
+ schöne Stellplätze
+/- Hygieneräume: jene in meinem Bereich waren geschlossen; ansonsten etwas ins Alter gekommen aber für die Basics ausreichend
+ Preis passt
– kein WiFi
– Poolnutzung muss separat gezahlt werden
+/- Supermarkt: eigentlich vorhanden, aber die Öffnungszeiten sind mit Zaubertinte geschrieben und daher nicht für jeden erkennbar, ob nun offen oder zu. In meinem Fall war die Tür unversperrt, der Markt leer. Ich hab trotzdem eine Paprika und Mandelmilch gekauft. Die Verkäuferin die dann wildfuchtelnd angelaufen kam fand es nicht so toll.

Parque de Campismo Praia da Galé | Melides
+/- direkter Strandzugang, sehr steil!
– Hygieneräume (zu viele Menschen müssen sich eine Mindestzahl an Toiletten und WCs teilen)
– Lautstärke
– als Auto muss man die Gebühren für Wohnmobile zahlen und darf auch nur dort stehen (frei von Atmosphäre und Idylle)

Orbitur Guincho | Cascais
+ Lage zu den Stränden und zu den Dünen von Cresmina
+ weitläufiges Gelände mit Pinienbäumen
+ Blick auf den Ozean
+ Bus fährt direkt vor dem Campingplatz in die Stadt
+ eigener Internet-Raum
– Auswahl im Supermarkt

Lisboa Camping & Bungalows | Lissabon
+ Bus fährt direkt von dort in die Stadt (Praca da Figueria; und auch wieder retour)
+ Nähe zum Flughafen
+ Stellplatz inklusive Strom, sofern man sich bereit erklärt die teurere Variante zu nehmen sprich Wohnmobil
+ Preisnachlass mit der Internationalen Campingkarte (endlich!)
– Hygieneräume (2 Duschen für einen gesamten Bereich sind schon recht wenig; das erste Mal in meiner Campinggeschichte, dass ich morgens Anstehen musste)
– Küchenspüle brühend heißes Wasser
– man hört die Autobahn recht deutlich

Parque de Campismo | Santa Cruz
+ Super Lage zu den weitläufigen Stränden und zum Ortskern
+ Preis ohne Strom 8,95 Euro und das im Juli
– Komplett charme-befreiter Platz
– viele Dauercamper