Dienstag, 31. Juli 2018

#41 – Digital Nomad 2 – Keine Lust auf Frust

Eigentlich war mein Plan ja, am 31. Juli wieder österreichischen Boden unter den Füßen zu haben. Am 86. Tag meiner Reise wollte ich wieder zu Hause sein. Dann entschied ich mich zu verlängern und nun scheint mir auf den letzten Metern die Luft auszugehen.
Obwohl die zweitägige Wanderung in den Picos de Europa ein absolutes Highlight war (und ist), war diese wohl doch zu anstrengend. 20 Kilometer, 1400 Höhenmeter und ein recht anspruchsvolles Vorankommen mit vielen Klettereinheiten, weil dann doch noch zu viel Schnee lag. Und beim Abstieg dann auch noch dummerweise gestürzt und die Schürfwunde am Knie ist jetzt nicht allzu prickelnd.
Gestern Morgen ging es mir noch gut, ich hab mich auf den Tag gefreut, auf das Weiterfahren und einen neuen Ort. Doch dann ist mir mittags mein Kreislauf abhanden gekommen, mein ganzer Körper ist ein einziger Schmerz, ich bin sehr sehr müde und kann mich nicht entscheiden, ob die Essensaufnahme sinnvoll war oder nicht.

Die Nacht war zerpflückt von Wachphasen, denn bei jeder Bewegung meines Knies reißt die Kruste auf und schickt schmerzhafte Wellen durch meinen Körper. Wäre wohl alles halb so schlimm, wenn man nicht gerade auf einer Holzpritsche im Auto schlafen würde.

Aber ich habe mir das selbst ausgesucht und die letzte 85 Tage waren ja einfach nur großartig.

Morgen ist immer ein neuer Tag

Ich glaube, das ist nicht meine Woche
Nachdem ich dann gestern kreislaufbedingt ausgeknockt war, blieb auch die Arbeit liegen. Mails unbeantwortet, Rückmeldungen von mir ausständig und Entscheidungen nicht gefällt. Da wollte ich mich also heute Morgen hinsetzen und loslegen und dann lässt mich das Internet hängen. Denn, obwohl ich mich in Spanien befinde, bin ich zu nahe an Frankreich dran und naja, das französische Mobilnetz scheint recht dominant zu sein. Denn mein Datenstick, der mit einer 20 Gigabyte Datenkarte gefüttert ist, kann sich nicht verbinden. Somit geht wieder wertvolle Zeit verloren. Es soll wohl nicht sein und ich hebe den Blick himmelwärts und frage still in mich hinein: Liebes Universum, was möchtest Du mir denn mitteilen?

Es ist halt nicht immer Glitzer und Ponyhof
So ein Digitalnomadendasein ist – meine Meinung – zu gut 95 Prozent eine leichte Übung. Wenn man es in der Art und Weise lebt wie ich. Sprich das Zuhause vier Räder hat und man ständig in Bewegung ist. Wenn alles auf das Wesentliche reduziert ist und die geographischen Wechsel häufig sind. Aber es ist nicht immer alles rosig. Da gibt es Campingplätze, die einfach eine Enttäuschung sind. Die preislich einem fünf Sterne Hotel ähneln, aber Ausstattung und Angebot einer indischen Toilette nahe kommen. Weitere Durststrecken sind der oftmals schlechte Zugang zu Internet beziehungsweiser einer vernünftigen Verbindung. Es sind die teils langen Wege zu einem Supermarkt und wenn am Wochenende eine 15-köpfige spanische Familie neben dir am Stellplatz einzieht.

Aber dann gibt es diese kleinen Überraschungen, die zumeist zwischenmenschlich sind.

Der aufmerksame Security-Mensch, dem auffällt, wenn man eine Nacht nicht am Campingplatz war (weil in den Bergen) und er sich dann besorgt erkundigt – auf Spanisch. Oder wenn du abends während des Regengusses arbeitend im Café am Campingplatz sitzt, zwei Stunden an einer Tasse Tee schlürfst und dir plötzlich eine Gruß aus der Küche serviert wird, du diesen aber ablehnen musst, weil nicht vegan. Es ist das freundliche Lächeln der anderen Camper und jene Momente, wo sich die Menschen, wenn sie an meinem „Lager“ vorbeigehen noch zwei, drei Mal umdrehen, weil sie nicht ganz ausmachen können, was ich da mache. Hier versuche ich manchmal die Blicke zu deuten. Aus meinen Beobachtungen gibt es zwei Varianten: aus der ersten kann ich Mitleid ableiten und aus der zweiten ist es Bewunderung teilweise vielleicht auch Neid, weil ich meine Freiheit habe.

Ich muss gestehen: diese verhaltenen Lächeln und Blicke amüsieren mich.

Picos de Europa: 2 Tage, rund 20 Kilometer, etwa 1400 Höhenmeter und dann der körperliche Crash

Herrlich, jetzt wo ich mir meinen Frust ein wenig von der Seele geschrieben und ihn auf digitales Blogpapier gesetzt habe, geht es mir besser. Das ist der Nachteil von alleine unterwegs sein: Manchmal würde man gerne den Frust bei jemand anders abladen, eine Umarmung einfordern und sich zehn närrische Minuten rausnehmen wollen. Aber dafür gibt es ja dann wohl das digitale Papier, das ebenso geduldig zu sein scheint.

CAMPINGPLÄTZE – Tops und Flops in Balance

 

(Am Geburtstag) Freistehen in Foz do Lizandro
Leider nicht ganz zu wunderbar wie in Carrapateira/Bordeira, aber auch gut. Möglicherweise bei Schönwetter besser. Weniger Freisteher und eine gute Infrastruktur mit den Beach-Bars, die auch einen leckeren Kaffee und Smoothie haben 🙂

Camping Ericeira
+ Nähe zum Ortszentrum fußläufig
+ Surfspots vor der Haustür
+ viele Bäume und ein weitläufiges Areal
– Und sie wollten mich schon wieder fast nicht auf den Platz lassen
– Noch völlig vom Festival die Woche davor verwüstet
– Sanitäranlagen nicht in jedem Block state of the art und teilweise schäbig

Und ein ganz großes Plus für Stellplatznachbarn wie Yvonne und Sohnemann Leandro!

Parque Campismo Salgueiros | Porto
+ Sensationeller Preis, da von der Stadt gefördert
+ Sehr engagiertes Personal
+ Bus ins Stadtzentrum nach Porto fährt vor der Haustüre ab
+ Eine Vielzahl von Strandkilometern nur fünf Gehminuten entfernt
– Sanitäranlagen etwas sehr old school
– Stellplätze teilweise etwas eng

Freistehen erste Reihe fußfrei auf einem privaten Grundstück |
Praia Dos Muinos
Meine erste Nach in Galizien und gleich mal voll in den Genuss der Gastfreundschaft der lokalen Bevölkerung gekommen. Ich durfte auf einem privaten Grundstück (Wiese), das einem alten Mann gehört, der dort Strandbesucher parken lässt übernachten. Das Angebot kam von ihnen und es war einfach überwältigend, wie lieb sie waren. So hatte ich einen ganz besonderen Platz und habe wohl noch nie näher als hier am Meer übernachtet. Sensationall und unendlich dankbar!

Camping Ancoradoiro | Muros
+ Lage: in der Natur mit viel Natur drum herum
+ sehr freundlicher Eigentümer
+ Stellplätze mit sehr viel Privatsphäre
+ Preis-/Leistungsverhältnis sehr gut
– Nahrungsmittelvorräte sollte man jedenfalls genügend dabei haben, möchte man sich dann nicht mehr allzu viel bewegen

Camping Playa Leis | Muxia
+ Preis-/Leistungsverhältnis gut
+ direkter Strandzugang der teils menschenleer ist und wunderschöne Sonnenuntergänge bietet
+ Check-Out wann immer man möchte (keine fixe Uhrzeit)
+ Lage: in der Natur mit viel Natur drum herum
– Lage aber auch in der absoluten Pampa; perfektes Setting für einen Landkrimi

Camping As Cabazas | Ferrol
+ Tolle Lage mit direktem Strandzugang, der einfach sensationell ist
+ Surfspot
+ Viele junge Menschen, Paare, Surfer – ein guter Vibe
– Preis-/Leistungsverhältnis naja
– Stellplätze sind nicht markiert, man steht kreuz und quer
– Kaum Bäume und Schatten
– Hängematten dürfen nicht angebracht werden (wenn man einen Baum „hat“)

Camping A Gaivota | Barreiros
+ kleiner Campingplatz
+ Preis-/Leistungsverhältnis
+ engagierte Besitzer
– keine Privatsphäre
– Stellplätze recht eng und nicht sehr praktisch

Camping Playa Spain | Villaviciosa
+ Absoluter Traum: grüne Wiese & Apfelbäume, ruhig
+ Großzügige Stellplätze
+ Gutes Preis-/Leistungsverhältnis
+ netter Rezeptionist
-/+ Lage: abgeschieden aber der Strand 100 Meter entfernt

Camping Playa de Oyambre | El Tejo
– Preis-/Leistungsverhältnis utopisch
– keine Privatsphäre
– kein Schatten
– zu viele Menschen (Mitte Juli)
– Strand sehr überladen
+ Surfspot

Camping Sorraos | Llanes
+ Gutes Preis-/Leistungsverhältnis
+ Ausblick vom Restaurant / Bar
+ direkter Strandzugang
+ Umgebung ist sehr nett (Niembru, Playa de San Antolin)
– Stellplätze dicht an dicht (Dauercamper!)
– Duschen ist nicht inkludiert, sofern man heiß duschen möchte (50 Cent)

Camping El Redondo Picos Europa | Fuente Dé
+ Preis-/Leistungsverhältnis okay
+ Kleinerer Campingplatz, keine Dauercamper
+ Terrasse zum Sitzen und Entspannen
+ Campingplatz liegt abgeschieden in der Natur
– Sanitäranlagen für eher kleinere Menschen und sehr in die Jahre gekommen

Anmerkung: Guter Ausgangspunkt für Touren in den Picos de Europa, da Seilbahn in Gehweite (ca. fünf Minuten)

Camping Faro De Higuer | Akartegi
+ Preis-/Leistungsverhältnis okay
+ Ausblick Terrasse
+ Stellplätze naja; für Leute die zelten aber perfekt, da vorne raus direkt am Meer
– Dauercamper

Camping Soubelet | Saint-Jean-de-Luz
+ schöne Anlage, groß aber ruhig
+ Strand gleich über die wenig befahrene Straße
+ sehr engagiertes Personal
+ gutes WiFi
– mit 35,50 Euro der bisher teuerste Platz
– indische Toilette (WTF!)